Europäische Wassercharta

Foto: Thomas Koch

Europäische Wasser-Charta, Straßburg 1968

1)
Es gibt kein Leben ohne Wasser. Es ist ein wertvolles und unentbehrliches Gut für jegliche Betätigung des Menschen.

2)
Die Süßwasserreserven sind nicht unerschöpflich. Es ist unerläßlich, sie zu bewahren und, falls möglich, zu erweitern.

3)
Die Wasserqualität zu verderben bedeutet, dem Menschen und anderen Lebewesen, die von ihr abhängen, Schaden zuzufügen.

4)
Die Wasserqualität muss entsprechend der Verwendung, für die es bestimmt ist, auf einem bestimmten Niveau gehalten werden, und sie muss den Anforderungen der Volksgesundheit entsprechen.

5)
Wenn das Wasser nach der Verwendung zurückgeführt wird, darf es die späteren Benutzer, für die es bestimmt ist, seien sie öffentlich oder privat, nicht in Gefahr bringen.

6)
Die Aufrechterhaltung einer angemessenen Pflanzendecke, vorzugsweise im Wald, ist wesentlich für die Bewahrung der Wasserreserven.

7)
Die Wasserreserven müssen Gegenstand einer Bestandsaufnahme sein.

8)
Die korrekte Verwaltung des Wassers muss Gegenstand eines ausgearbeiteten Plans durch kompetente Behörden sein.

9)
Die Bewahrung des Wassers impliziert zunehmende Bemühungen der wissenschaftlichen Forschung, die Ausbildung von Spezialisten und Öffentlichkeitsarbeit.

10)
Das Wasser ist ein gemeinschaftliches Erbe, dessen Wert von allen anerkannt werden muss. Jeder hat die Pflicht, sparsam und sorgfältig mit ihm umzugehen.

11)
Die Verwaltung der Wasserreserven müßte sich nach natürlichen Gegebenheiten richten und nicht an ad-ministrativen oder politischen Grenzen orientiert sein.

12)
Wasser hat keine Grenzen. Es ist eine gemeinschaftliche Reserve, die eine internationale Zusammenarbeit erfordert.

Die Bedeutung von Wasser

Quelle: Europäische Kommission Generaldirektion Umwelt Informationszentrum (BU-9 0/11)

Wasser ist ein Lebenselixier, eine unentbehrliche Lebensgrundlage für den Menschen und alle anderen Lebewesen.

Jedermann braucht Wasser nicht nur zum Trinken. Aus diesem Grund sind unsere Flüsse und Seen, unsere Küsten- und Meeresgewässer, aber auch das Grundwasser wertvolle Ressourcen, die es zu schützen gilt.

Unsere Gesellschaft benötigt Wasser, um durch Tätigkeiten wie Landbewirtschaftung, kommerziellen Fischfang, Energieerzeugung, industrielle Verarbeitung, Verkehr und Tourismus wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand zu erzielen und zu fördern. Wasser ist mitentscheidend bei der Wohnortwahl und bei Entscheidungen über die Art der Flächennutzung. Wasser kann vor allem, wenn es knapp ist auch geopolitischer Zankapfel sein. Das gesundheitliche Wohlbefinden des Menschen hängt nicht nur von sauberem Trinkwasser, sondern auch von sauberem Brauchwasser und der Abwasserentsorgung ab. In Form von Bade- und Angelgewässern oder als rein ästhetisches Vergnügen (Schönheit natürlicher Küsten-, Fluss- und Seenlandschaften) besitzt Wasser auch Freizeitwert. Der Urlauber erwartet saubere Flüsse und Küstengewässer ebenso wie ein uneingeschränktes Angebot an Leitungswasser zum Duschen und Baden, Wäschewaschen und Geschirrspülen.

 

Wasser ist für die natürlichen Ökosysteme und die Klimaregulierung von zentraler Bedeutung. Der Begriff Wasserkreislauf steht für die Zirkulation, ohne Beginn und Ende, von Wasser in abwechselnd flüssiger, gasförmiger und fester Form (Eis) auf, über und unter der Erdoberfläche. Während das Wasservolumen der Erde im Zeitverlauf relativ konstant bleibt, sind die Versorgungsmuster besonders klimaanfällig. Angesichts schmelzender Gletscher und zunehmender Dürreperioden in Gebieten wie dem Mittelmeerraum sagen Forscher für das kommende Jahrhundert Trinkwasserknappheit voraus. Dies wiederum bedeutet weniger Wasser für Bewässerungszwecke und die Nahrungsmittelproduktion. Gleichzeitig wird es zu veränderten Niederschlags- und Flussströmungsmustern kommen. Häufigere Überschwemmungen vor allem in den zunehmend bevölkerten Hochwassergebieten bewirken mehr Schäden an Wohnbauten, Infrastrukturen und Stromnetzen. Für ganz Europa werden mehr Sturzfluten vorhergesagt. Steigende Temperaturen und Wasserknappheit

bedeuten auch, dass der Industrie und Kraftwerken weniger Wasser für Kühlzwecke zur Verfügung stehen wird. Wasserverunreinigung und Wasserknappheit gefährden nicht nur die Gesundheit und die Lebensqualität des Menschen. Es gibt auch weiterreichende ökologische Erwägungen. Frei fließende, unverschmutzte Gewässer sind für das Überleben wasserabhängiger Ökosysteme wichtig. Zunehmend kontaminiertes Wasser gefährdet das Wassermilieu, Feuchtgebiete und terrestrische Lebensräume und stellt für die schon jetzt unter dem Druck der Verstädterung und des Klimawandels leidende Fauna und Flora eine zusätzliche Belastung dar.

 

Sachverständige haben den Wert der von der Natur erbrachten Ökosystemdienstleistungen zur Sprache gebracht. Wasser erbringt sowohl eine bereitstellende Dienstleistung (als Grundstoff ) als auch eine regulierende Dienstleistung (in Bezug auf Klima und Wetter), die für die Funktionsfähigkeit unseres Planeten unerlässlich ist. Nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur erbringen Feuchtgebiete in Form von Wasserreinigung und CO2-Bindung weltweit Dienstleistungen im Wert von 2,5 Mrd. EUR pro Jahr.

Der Mensch ist sich zwar seit langem seiner Wasserabhängigkeit bewusst, die Bürger Europas sind sich jedoch mittlerweile auch zunehmend darüber im Klaren, dass Wasser nicht unbegrenzt zu Verfügung steht und entsprechend gewürdigt werden muss. Wasser muss bewirtschaftet und geschützt werden.

Es ist nicht nur Konsumgut, sondern auch eine wertvolle natürliche Ressource, die für heutige und künftige Generationen die Lebensgrundlage ist. Ohne Wasser ist ein Leben auf der Erde nicht möglich.

Welche Rolle spielt die

Europäische Union?

 

Ein Fluss- oder Wassereinzugsgebiet

umfasst den gesamten Lauf von den

Quellen kleiner Zuläufe bis hin zur

Mündung, einschließlich des Grundwassers.

Die EU und ihre Mitgliedstaaten

haben die Flusseinzugsgebiete und die

dazugehörigen Küstengebiete in 110 Flussgebietseinheiten

unterteilt (40 davon haben internationalen,

d. h. grenzüberschreitenden Charakter), die sich über ca.

60 % des EU-Gebiets erstrecken. Beispielsweise entwässern die

Weichsel und die Oder über 95 % des polnischen Hoheitsgebiets.

Flüsse machen jedoch nicht an den nationalen Grenzen halt sie

durchfließen verschiedene Länder und münden ins Meer. Alle

Mitgliedstaaten der EU, ausgenommen Inseln wie Zypern und

Malta, teilen sich ihre Gewässer mit Nachbarländern.

Wassereinzugsgebiete können sehr groß oder ziemlich klein sein.

So ist die internationale Flussgebietseinheit der Donau (International

River Basin District, IRBD) mit 801 463 km2 die größte Gebietseinheit

in der EU, denn sie umfasst über zehn Mitgliedstaaten

und neun Nachbarländer. Der Hérault (Südfrankreich) dagegen

durchfließt nur 2 900 km2.

 

Diese Gewässer können nur geschützt werden, wenn alle Anrainerstaaten

und -regionen mitverantwortlich zusammenarbeiten.

Folglich ist eine EU-Rahmenregelung für die Wasserwirtschaft

notwendig und einvernehmliches Handeln auf der Ebene der

Flussgebietseinheit unerlässlich.

 

Die Bewirtschaftung von Wasserressourcen ist außerdem ein

komplexer Prozess, an dem viele Akteure (Behörden, Wirtschaftsteilnehmer

und Öffentlichkeit) mitwirken. Eine Regelung aller

potenziell wasserverunreinigenden und wasserschädigenden

Aktivitäten und Verwendungszwecke ist daher von zentraler

Bedeutung.

 

Mit der Verabschiedung der Wasserrahmenrichtlinie im Jahr

2000 hat die EU einen bahnbrechenden Schritt unternommen

und den Schutz sowie die Sanierung europäischer Gewässer

zur Auflage gemacht. Die Richtlinie führt ein innovatives

Wasserbewirtschaftungskonzept ein, das nicht an nationalen

Verwaltungs- oder politischen Grenzen ausgerichtet ist, sondern

an natürlichen hydrogeologischen Formationen den Flusseinzugsgebieten.

Sie setzt auch die Koordinierung verschiedener

Gemeinschaftspolitiken innerhalb eines einzigen Aktionsrahmens

voraus und gibt einen genauen Handlungszeitplan vor,

wobei das Jahr 2015 als äußerster Termin für die Verwirklichung

des guten Zustands sämtlicher EU-Gewässer vorgesehen ist.

Der Einfluss menschlicher Aktivitäten

auf die Gewässerqualität und Folgen für die Umwelt

Große Wasserbewirtschaftungsprobleme

Aufgrund der geografischen und klimatischen

Unterschiede sind Gewässer innerhalb der EU

ungleich verteilt. Irlands üppiges Grün ist die Folge

der Regenfronten, die die häufig durchziehenden atlantischen

Tiefdrucksysteme begleiten, während Mittelmeerländer in den

Sommermonaten oft Dürreperioden ausgesetzt sind, die beste

Voraussetzungen für gefährliche Waldbrände schaff en. Europa

hat auch zunehmend mit veränderten und intensivierten Überflutungsmustern, z. B. Sturzfluten, zu kämpfen. Der prognostizierte

Anstieg des Meeresspiegels wird die Küstengebiete noch

stärker belasten.

 

Die Nachfrage nach Wasser nimmt allerorts zu in Haus und Garten,

in der Industrie, in der Landwirtschaft und in Bewässerungsgebieten,

im Freizeit- und Tourismusbereich. Im Süden hat sich

die Wassernachfrage im Zuge des rapiden Ausbaus touristischer

Infrastrukturen erhöht; die Folge sind Raubbau an der Natur und

mitunter Wüstenbildung sowie ein Vordringen von Salzwasser

in die Küstensüßwassergebiete.

 

Für die Beeinträchtigung der Wasserqualität sind hauptsächlich

Privathaushalte, Industrie und Landwirtschaft verantwortlich,

die chemische Schadstoffe und Nährstoffe verwenden und

ableiten. Hauptverursacher sind u. a. Sektoren wie Städtebau,

Hochwasserschutz, Energieerzeugung (z. B. Wasserkraftwerke),

Schifffahrt, Freizeitaktivitäten, Kanalisationen, Küstenschutz,

Süßwasserfischfang, Bergbau und Forstwirtschaft.

 

Wasserfakten

In Europa:

-       Nur 30 % der Oberflächengewässer und 25 % des Grundwassers sind nicht ernsthaft kontaminations- und anderweitig gefährdet.

-       60 % aller europäischen Städte treiben Raubbau an ihren Grundwasserressourcen.

-       50 % aller Feuchtgebiete sind durch den Raubbau an Grundwasserressourcen gefährdet.

-       Seit 1985 hat die Irrigationsfläche in Südeuropa um 20 % zugenommen.

 

Wasserknappheit: Da Europa im Allgemeinen nicht als arider

Kontinent betrachtet wird, überrascht es vielleicht zu erfahren,

dass nahezu die Hälfte der europäischen Bevölkerung in Ländern

mit Wasserknappheit lebt, in denen zu große Wassermengen aus

vorhandenen Süßwasserquellen entnommen werden. Wasserknappheit

betriff t 33 Flusseinzugsgebiete der EU.

Ein weiteres gravierendes Problem ist die Umweltverschmutzung.

Gefährliche Chemikalien gelangen aus einer Vielfalt diffuser

Quellen wie Industrieanlagen, landwirtschaftlichen Nutzflächen

und Abfalldeponien in europäische Gewässer. Endokrinwirksame

Chemikalien sind besonders bedenklich, denn sie können in den

Hormonhaushalt lebender Organismen, also auch des Menschen, eingreifen. Weitere Schadstoffe sind phosphorhaltige organische

Verbindungen, Metalle und Schwebstoff e.

 

Hohe Abwasser- oder Düngerkonzentrationen in Wassersystemen

können der Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) Vorschub

leisten und das Wachstum pflanzlicher Schadorganismen

fördern, die das Funktionieren normaler Ökosysteme stören,

Fischen den Sauerstoff entziehen und die Wasserbehandlung

beeinträchtigen. Mit Algen überwucherte Gewässer werden

trübe und farblos, verlieren ihre ästhetische Attraktion und ihren

Freizeitwert und stellen außerdem ein Gesundheitsrisiko dar.

Rund 40 % der europäischen Flüsse und Seen zeigen ebenso wie

Küstengewässer erste Anzeichen von Eutrophierung.

 

Morphologische Veränderungen wie dies beim Bau von

Dämmen, Reservoirs und Bewässerungssystemen der Fall ist

können ebenfalls Schäden hervorrufen, da sie den Wasserstand

verändern, die natürliche Flussströmung behindern und infolgedessen

Ökosysteme zerstören oder natürliche Auen von den

Wasserläufen abschneiden.

 

Weitere Beispiele von Umweltfolgen sind Temperaturveränderungen,

z. B. infolge der Verwendung von Gewässern zu Kühlzwecken,

und das vermehrte Auftreten gebietsfremder Arten in

europäischen Gewässern.

 

Problemlösungen:

Es kann viel getan werden, um den Zustand unserer Gewässer und das Wasservolumen zu verbessern. Mögliche Maßnahmen

reichen von der Beeinflussung des Verbraucherverhaltens (weniger Chemikalieneinsatz und weniger Ressourcenverschwendung)

bis hin zu Änderungen der Landnutzung und der Bewirtschaftungspraktiken, gezielter Kulturauswahl und Bewässerung,

Kontrolle der Umweltverschmutzung, Wiederherstellung von Feuchtgebieten und anderen Minderungsmaßnahmen.

Die Wasserrahmenrichtlinie macht es den Mitgliedstaaten zur Auflage, wichtige Wasserbewirtschaftungsprobleme zu identifizieren und die Öffentlichkeit und interessierte Kreise umfassend zu konsultieren, damit zunächst die Probleme und anschließend

die Lösungen herausgearbeitet und in Bewirtschaftungsplänen für die Einzugsgebiete festgeschrieben werden.

 

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRR):

eine wasserpolitische Rahmenregelung der EU

Geschichtlicher

Hintergrund

Die europäische Wassergesetzgebung reicht

zurück bis in die zweite Hälfte der 1970er Jahre, als

mit einer ersten Welle von Vorschriften Normen und Ziele für

die Ableitung gefährlicher Stoff e, für Trinkwasser, Fischereigewässer,

Muschelgewässer, Badegewässer und das Grundwasser

eingeführt wurden, um die Gesundheit des Menschen und

die Umwelt zu schützen. Bei einer Überprüfung wurden 1988

Lücken in der Gesetzgebung aufgezeigt, die es zu schließen

galt und die weitere Vorschriften nach sich zogen, mit denen es

den Mitgliedstaaten zur Auflage gemacht wurde, Abwässer aus

Siedlungsgebieten, die Ausbringung von Stickstoff dünger auf

landwirtschaftlichen Nutzflächen und Umweltschadstoff e aus

Fabriken und Industrieanlagen zu kontrollieren:

 

-       1991: die Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser und die Nitratrichtlinie,

-       1996: die Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IVU),

-       1998: die Trinkwasserrichtlinie.

 

Als dennoch klar wurde, dass die EU ihre Wasserpolitik kohärenter

angehen muss, lancierte die Kommission einen ambitiösen

Konsultationsprozess, um nicht nur die Meinungen der

Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments und der Sachverständigenkreise,

sondern auch die Standpunkte lokaler und

regionaler Behörden, von Nichtregierungsorganisationen und

Umweltschützern, der Industrie und der Stadtwerke, örtlicher

Gruppierungen und Privatpersonen in Erfahrung zu bringen.

Im Zuge dieser Konsultation wurde im Jahr 2000 die Wasserrahmenrichtlinie

(WRR) erlassen, eine der ehrgeizigsten und

umfassendsten EU-Regelungen schlechthin. Es folgten weitere

Rechtsakte, die diese Rahmenregelung ergänzten Vorschriften

über die chemische Verschmutzung von Oberflächengewässern

und den Grundwasserschutz und Verfahrensvorschriften für die

Bestimmung des ökologischer Zustands. Zwei weitere wichtige

Rechtsakte die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (2008/56/

EG) und die Hochwasser-Richtlinie (2007/60/EG) sicherten die

Ganzheitlichkeit und Integralität des Geltungsbereichs der WRR.

 

Hauptziele

Die Rahmenrichtlinie beruht auf vier Hauptpfeilern:

1. Maßnahmenkoordinierung, um für alle EU-Gewässer, einschließlich

der Oberflächengewässer und des Grundwassers,

bis 2015 einen guten Zustand zu erreichen.

2. Einführung eines Wasserbewirtschaftungssystems auf der

Basis natürlicher Flussgebietseinheiten, die über regionale

und nationale Grenzen hinausgehen.

3. Integrierte Wasserbewirtschaftung, um verschiedene

Bewirtschaftungsprobleme in einer ganzheitlichen Rahmenvorschrift

zu regeln.

4. Aktive Beteiligung interessierter Kreise und Konsultation

der Öffentlichkeit.

Die Rahmenrichtlinie erfasst das Grundwasser und alle Oberfl ächengewässer,

einschließlich Flüsse, Seen, Küsten- und Übergangsgewässer

wie Mündungen, die den Übergang zwischen

Süß- und Salzwasser bilden. Für künstliche und stark veränderte

Wasserkörper wie Kanäle und Reservoirs oder Industriehäfen

gibt sie ein weniger ehrgeiziges Ziel gutes Potenzial vor. Das

EU-Recht wird insofern gestraff t, als sieben Richtlinien der ersten

Welle aufgehoben und ihre Vorschriften in eine kohärentere

Rahmenregelung eingearbeitet wurden.

Umweltziele:

Guter ökologischer und chemischer Zustand was ist das?

Zur Definition des Begriff s ökologischer

Zustand wird die Qualität der

Lebensgemeinschaften geprüft, die

in verschiedenen Teilen der EU von Natur

aus unterschiedlich ist. Berücksichtigt werden

Aspekte wie die Abundanz der aquatischen Flora

oder der Fischfauna. Qualitätskriterien wie Nährstoffverfügbarkeit,

die sowohl für die Fischbestände als auch für die Wasserflora

von Belang ist, aber auch Merkmale wie Salinität, Temperatur

und Verunreinigung durch andere chemische Schadstoff e müssen

überwacht werden. Auch morphologische Merkmale wie

Wasservolumen, Wasserströmung, Wassertiefen und Flussbettstrukturen sind für die Definition des ökologischen Zustands von Bedeutung.

Nach der WRR werden Oberflächengewässer je nach ökologischem

Zustand in fünf Klassen sehr gut , gut , mäßig ,

unbefriedigend und schlecht eingestuft.

Die Einstufung sehr gut erfolgt, wenn aufgrund der vorliegenden

biologischen, chemischen und morphologischen Bedingungen

davon ausgegangen werden kann, dass keine oder eine nur

sehr geringe Störung durch den Menschen erfolgt. Dieser beste

erreichbare Zustand ist der Referenzzustand oder die Benchmark.

Der Referenzzustand ist je nach Art der Flüsse, Seen oder

Küstengewässer unterschiedlich.

Die Gewässerqualität entspricht dem Grad der Abweichung vom

Referenzzustand. Ein guter Zustand entspricht demnach einer

leichten Abweichung, ein mäßiger Zustand einer mäßigen

Abweichung usw.

 

Nach den Berichten (2004) gemäß Artikel 5 der WRR wurden in der

EU insgesamt 70 000 Oberflächenwasserkörper ermittelt, wobei

es sich bei 80 % um Flüsse, bei 15 % um Seen und bei 5 % um

Küsten- und Übergangsgewässer handelt. Die Mitgliedstaaten

können entlang ein und desselben Flusses verschiedene Wasserkörper

ausweisen, da der Wasserzustand veränderlich ist. Das

nachstehende Schaubild zeigt einen Fluss, dessen Wasserqualität

an der Quelle sehr gut ist und sich flussabwärts nach und nach

verschlechtert.

Zur Definition des guten chemischen Zustands wurden für

33 neue prioritäre Stoff e und acht zuvor geregelte Stoff e Umweltqualitätsnormen

festgelegt, deren Einhaltung in Wasser, Ablagerungen

oder Fauna/Flora gemessen werden muss. Es handelt

sich um chemische Schadstoffe, die in der gesamten EU als

äußerst bedenklich gelten. In diesem Punkt wird die WRR durch

andere EU-Umweltvorschriften zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung

wie die REACH-Verordnung und die IVU-Richtlinie

unterstützt. Die Kommission wird die Schadstoffliste regelmäßig

überprüfen und möglicherweise um neue Stoff e ergänzen.

Beim Grundwasser verhält es sich etwas anders. Die Mitgliedstaaten

müssen das jeweilige Wasservolumen von Grundwasserspeichern

anhand geologischer Daten bestimmen. Die Menge

ist kritisch, und laut Gesetz ist die Wasserentnahme auf einen

Teil des jährlich neu gebildeten Grundwassers begrenzt. Da

Grundwasser völlig schadstofffrei sein sollte, wendet die WRR

für den Grundwasserschutz das Vorsorgeprinzip an und verbietet

Direkteinleitungen. Jede Schadstoffzunahme muss ermittelt und

durch geeignete Maßnahmen verhindert werden.

Eines der Umweltziele der Richtlinie besteht darin zu gewährleisten,

dass sich der Zustand der Wasserkörper nicht verschlechtert.

Ein Rahmen für integrierte internationale Zusammenarbeit

in Einzugs- und Küstengebieten

Das Konzept des Flusseinzugsgebiets ist die beste und kostenwirksamste Methode der Wasserbewirtschaftung. Die zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele seit langem praktizierte internationale Zusammenarbeit im Einzugsgebiet der Elbe, der Donau und des Rheins hat sich bewährt. Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität können nur Erfolg haben, wenn Entwicklungen flussauf- und flussabwärts mitberücksichtigt werden. Integrierte Bewirtschaftungspläne für Flusseinzugsgebiete verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und dienen dem Schutz des gesamten Wasserkörpers (Quelle, Zuflüsse, Mündungsdelta und Mündung).

Sie bekämpfen Belastungen und Risiken mit einer koordinierten

Strategie, fördern die Solidarität und binden alle interessierten

Kreise in den Beschlussfassungsprozess ein. Die Beteiligung der

Öffentlichkeit ist in der Tat ein Eckpfeiler der WRR, und die Bürger

Europas spielen bei der Planung und Durchführung von Bewirtschaftungsmaßnahmen eine zentrale Rolle.

Die Richtlinie bezieht auch andere wichtige wasserbezogene

Fragen wie Umweltverschmutzung, schwere Unfälle und

Umweltverträglichkeitsprüfungen ein.

 

Fallstudie Donau

Die Flussgebietseinheit der Donau illustriert die Gewässervielfalt innerhalb eines einzigen Einzugsgebiets. Diese spezielle Einheit

umfasst Bergbäche in den Karpaten und Alpen, Grundwasserkörper und die Küstengewässer des Schwarzen Meeres. Die Zusammenarbeit

der Anrainerstaaten hat seit langem Tradition. Der erste Vertrag über die freie Schiff fahrt wurde 1856 geschlossen, und

1994 wurde das Übereinkommen zum Schutz und zur verträglichen Nutzung der Donau (IKSD) gegründet, dem 14 Länder sowie

die EU angehören.

Im Rahmen des Donauschutzübereinkommens wurde im Dezember 2009 ein Bewirtschaftungsplan für das Einzugsgebiet der gesamten

Donau veröffentlicht (http://www.icpdr. org/participate/danube_river_basin_management_plan), der sogenannte Roof Report

für das Einzugsgebiet, und die Vertragsparteien des Übereinkommens sollen detailliertere nationale Pläne vorlegen. In Vorbereitung

dieses Berichts hat das IKSD-Sekretariat mit Sitz in Wien (Österreich) die Arbeiten von Expertengruppen zu Fragen in Bezug auf

Flussgebietsplanung, Belastungen und Maßnahmen, Überwachung und Bewertung, Informationsmanagement und Geografische

Informationssysteme (GIS) sowie wirtschaftliche und Hochwasserfragen, die die gesamte Donau betreff en, unterstützend koordiniert.

Die wichtigsten Wasserbewirtschaftungsprobleme der Donau betreff en die Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) und organische

Schadstoff e. Um der Eutrophierung entgegenzuwirken, wurde mit dem Donau-Plan vorgeschlagen, phosphathaltige Waschmittel

für das gesamte Einzugsgebiet zu verbieten, und vor allem für den unteren Flusslauf ist die Abwasserbehandlung von zentraler

Bedeutung. Morphologische Veränderungen zur Erleichterung der Schifffahrt, des Hochwasserschutzes und der Stromerzeugung

sind auch für wandernde Fische, vor allem den Stör, problematisch. Die Donau-Region ist außerdem in zunehmendem Maße durch

Hochwasser, Wasserknappheit und Dürren gefährdet.


Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

ein kontinuierlicher Prozess

Die Richtlinie wird in mehreren aufeinander

folgenden Sechsjahreszyklen

umgesetzt, beginnend mit dem Zeitraum

2009-2015. Mit Inkrafttreten der Richtlinie

mussten die Mitgliedstaaten ihre Flussgebietseinheiten

geografisch abgrenzen und die mit der

Wasserbewirtschaftung betrauten Behörden benennen

(2003). Die Merkmale dieser Gebiete waren anschließend einer

gemeinsamen Wirtschafts- und Umweltanalyse zu unterziehen

(2004), und es musste ermittelt werden, welche Wasserkörper

das Ziel von 2015 voraussichtlich nicht erreichen werden. Bis

2006 mussten die Staaten Netzwerke zur Gewässerüberwachung

einrichten.

 

Im Jahr 2007 veröffentlichte die Kommission in ihrem ersten

Bericht über den Stand der Umsetzung der WRR (1) erste Umsetzungsergebnisse

und prüfte u. a., auf welche Weise die Mitgliedstaaten

die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt haben, sowie

die nationalen Verwaltungsvorschriften und die Analysen der

Flussgebietseinheiten. 2009 wurde in einem zweiten Bericht

über den Stand der Umsetzung der WRR geprüft, wie weit die

Überwachungsnetze vorangeschritten waren.

Der 22. Dezember 2009 markierte einen wichtigen Meilenstein für

die Wasserbewirtschaftung in Europa, denn an diesem Tag mussten

für jede der 110 Flussgebietseinheiten der EU die Bewirtschaftungspläne

der Mitgliedstaaten für die Einzugsgebiete vorliegen.

Jeder Plan muss ein Maßnahmenprogramm umfassen, mit dem

die Ziele der WRR erreicht werden sollen. Die Vorarbeiten für diese

Pläne beinhalteten einen umfassenden, dreiphasigen Konsultationsprozess,

da die Mitgliedstaaten verpflichtet waren, Öffentlichkeit

und Interessenträger in die Wasserbewirtschaftung einzubinden.

Der Prozess sollte spätestens Ende 2006 mit einer Konsultation

zu wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen (bis Ende 2007) und

einer für mindestens sechs Monate angesetzten weitreichenden

Konsultation zu den Entwürfen der Bewirtschaftungspläne für die

Einzugsgebiete (bis Ende 2008) lanciert werden (Artikel 14).

Alle europäischen Gewässer müssen bis 2015 einen guten ökologischen

und chemischen Zustand erreichen. Dies setzt nicht

nur einen geringen Gehalt an chemischen Schadstoff en voraus,

sondern als innovatives Element auch die Gewährleistung

nachhaltiger Wasserökosysteme.

 

Für bestimmte Wasserkörper können, soweit ordnungsgemäß

gerechtfertigt, Ausnahmen von den Zielvorgaben beantragt

werden, beispielsweise aufgrund der Unmöglichkeit der technischen

Ausführung, natürlicher Umstände oder unverhältnismäßig

hoher Kosten. In diesen Fällen kann die Frist für die

Zielerreichung verlängert oder die Umweltauflagen können

unter strikten Bedingungen gelockert werden. Bei neuer Änderung

eines Wasserkörpers können auch bei Vorliegen vorrangiger

Gründe der öffentlichen Ordnung unter strikten Bedingungen

Ausnahmen gewährt werden. Extremfälle können ebenfalls als

Rechtfertigungsgrund für vorübergehende Ausnahmen geltend

gemacht werden.

 

2010 läuft die Frist für die Einführung einer Wassergebührenpolitik

ab. Die Wasserpreisgestaltung muss zum Umweltziel der

WRR beitragen und Anreize für eine nachhaltige Wassernutzung

bieten. Der Grundsatz der Kostendeckung und das Verursacherprinzip

sollten bei allen Wasserdienstleistungen Anwendung

finden. Bei der Preisgestaltung und Kostendeckung muss den

lokalen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen

Rechnung getragen werden. Eine Einheitslösung ist hier

nicht unbedingt angemessen.

 

Die Mitgliedstaaten müssen gewährleisten, dass ihre Maßnahmenprogramme bis 2012 operativ sind. Nach Ablauf des ersten Bewirtschaftungszyklus (2015) sollten die Ziele der Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete erfüllt sein. Der zweite Zyklus muss bis 2015 feststehen und an die ersten Hochwasserrisikopläne der Mitgliedstaaten anknüpfen.

 

 

Zeitrahmen für den Stand der Umsetzung

der Wasserrahmenrichtlinie

2000

Inkrafttreten

der Richtlinie

Artikel 25

 

2003

Umsetzung in nationales

Recht Artikel 24

 

Bestimmung der

Einzugsgebiete und

Behörden Artikel 3

 

2004

Erfassung der Merkmale

des Einzugsgebiets:

Belastungen, Überprüfung

der Umweltauswirkungen

und wirtschaftliche

Analyse; Identifizierung der

Wasserkörper, Ermittlung,

welche Wasserkörper

gefährdet sind und wo

gehandelt werden muss,

um einen guten Zustand zu

erreichen Artikel 5

 

2006

Errichtung des

Überwachungsnetzes

Artikel 8

 

Beginn der öff entlichen

Konsultation

(spätestens) Artikel 14

 

2006

Verabschiedung der

Grundwasser-Richtlinie

(2006/118/EG)

 

2007

erster Umsetzungsbericht der Kommission

zu Artikel 3 (Verwaltungsvereinbarungen)

und Artikel 5 (Merkmale der

Flussgebietseinheit, Überprüfung der

Umweltauswirkungen und wirtschaftliche

Analyse) und Bericht über den Stand der

Umsetzung Artikel 18 Absatz 3 (WRR)

erste Europäische Wasserkonferenz:

Einführung des WISE

Wasserinformationssystems für Europa

Verabschiedung der Hochwasser-Richtlinie

Beginn der Konsultation zu wichtigen

Wasserbewirtschaftungsfragen Artikel 14

Absatz 1 Buchstabe b

 

2008

Vorlage der

Entwürfe der

Bewirtschaftungspläne

der Mitgliedstaaten für

die Einzugsgebiete

Artikel 14

 

2008

Verabschiedung der

Meeresstrategie-

Rahmenrichtlinie

(2008/56/EG) und

der Richtlinie über

Umweltqualitätsnormen

(2008/105/EG)

 

 

2009

Fertigstellung der

Bewirtschaftungspläne für die

Einzugsgebiete einschließlich des

Maßnahmenprogramms Artikel 13

und 11 (WRR)

 

2009

zweiter Umsetzungsbericht

der Kommission zu Artikel 8

Überwachungsnetzwerke Artikel 18

Absatz 3 (WRR)

zweite Europäische Wasserkonferenz:

Plunge Into The Debate Artikel 18

Absatz 5 (WRR)

 

2010

Einführung einer

Wassergebührenpolitik

Artikel 9 (WRR)

22. März: Stichtag für

die Übermittlung der

Bewirtschaftungspläne für

die Einzugsgebiete an die

Kommission

Beginn der Prüfung

eingegangener Pläne

durch die Kommission

Artikel 18 (WRR)

 

 

Überwachung der Umsetzung der Richtlinie

Die Kommission überwacht jede Etappe der Richtlinienumsetzung und hat zwei Umsetzungsberichte

(2007 und 2009) erstellt und die ersten Etappen der Richtlinienumsetzung bewertet.

Gemäß der Richtlinie muss die Kommission ihren dritten Umsetzungsbericht, einschließlich

einer Überprüfung des Stands der Umsetzung der Richtlinie und des Zustands der EU-Gewässer

sowie einer Erhebung der Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete mit Anregungen für

die Verbesserung künftiger Pläne, bis 2012 vorlegen.

 

2012

Durchführung des

Maßnahmenprogramms

Artikel 11 (WRR)

 

2012

dritter Umsetzungsbericht

der Kommission zur

WRR, Überblick über

Wasserknappheit und Dürren

und Bewertung der Anfälligkeit

europäischer Gewässer im

Kommissionsentwurf zum

Schutz der europäischen

Wasserressourcen [Blueprint for

Safeguarding Europe s water)

Artikel 18 Absatz 1 (WRR)]

 

2021

Ende des zweiten Bewirtschaftungszyklus

Erreichen eines guten Umweltzustands im Rahmen der Meeresstrategie-

Richtlinie Artikel 4 und 13

dritte Bewirtschaftungspläne für die Flussgebiete (WRR), zweite

Hochwasserrisikopläne (Hochwasser-Richtlinie)

 

2015

Erreichen der Umweltziele

Artikel 4 (WRR)

Ende des ersten

Bewirtschaftungszyklus

zweiter Bewirtschaftungsplan

für die Einzugsgebiete

Artikel 13 Absatz 7 (WRR)

erster Hochwasserrisikoplan

Artikel 7 (RR)

Maßnahmenprogramm

der Meeresstrategie-

Rahmenrichtlinie (MSRR)

 

2027

Ende des dritten

Bewirtschaftungszyklus,

äußerste Frist für die

Zielverwirklichung

Artikel 4 und 13

 

Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete

Instrumentarium für integrierte Wasserbewirtschaftung

 

Die Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete

sind die wichtigsten Instrumente

für die Umsetzung der Richtlinie

in den Flussgebietseinheiten. Sie haben eine

Laufzeit von jeweils sechs Jahren und werden

nach Ablauf dieser Frist überarbeitet. Die Pläne

beinhalten stets eine Zusammenfassung der vorherigen Umsetzungsphasen,

wie eine Bewertung des Zustands von Wasserkörpern,

sowie die Zielvorgaben für die Wasserkörper für 2015, und

die Mitgliedstaaten müssen, falls die Ziele nicht erreicht werden

können, erläutern und begründen, inwieweit sie die Ausnahmeregelungen

in Anspruch nehmen wollen.

Die Pläne müssen auch ein Maßnahmenprogramm enthalten,

in dem im Einzelnen aufgeführt ist, welche Maßnahmen wo und

durch wen getroffen werden (2).

 

Was sollte ein Bewirtschaftungsplan für ein Einzugsgebiet umfassen?

 

Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete

Instrumentarium für integrierte Wasserbewirtschaftung

-       eine Beschreibung des Einzugsgebiets, einschließlich Karten

-       eine Zusammenfassung der wichtigsten Belastungen und Umweltauswirkungen menschlicher Aktivitäten

-       eine Karte besonders geschützter Gebiete (z. B. Gebiete für die Trinkwassergewinnung, natürliche Lebensräume)

-       eine Karte der Überwachungsnetze und die Überwachungsergebnisse

-       eine Liste der Umweltziele oder einzelziele

-       eine Zusammenfassung des Maßnahmenprogramms zur Erhaltung oder Verbesserung des Wasserzustands

-       eine Zusammenfassung der Ergebnisse öffentlicher Konsultationen und ihrer Auswirkungen

-       eine Liste der zuständigen Behörden und Kontaktstellen

 

Was sollte ein Maßnahmenprogramm umfassen?

 

Mindestens Maßnahmen zur

-       Förderung einer effizienten und nachhaltigen Wassernutzung

-       Umsetzung einer Wassergebührenpolitik durch Kostendeckung und Preisanreize für Wasserdienstleistungen

-       Erhaltung der Wasserqualität, um die für die Trinkwassergewinnung erforderliche Reinigungsbehandlung auf ein Mindestmaß zu begrenzen

-       Kontrolle der Entnahme von Oberfl ächensüßwasser und Grundwasser

-       Kontrolle der künstlichen Neubildung oder Vermehrung von Grundwasserkörpern

-       Kontrolle von Einleitungen über potenziell umweltverschmutzende Punktquellen, bevor eine Zulassung für die Wasserentnahme erteilt wird

-       Verhütung oder Kontrolle des Eintrags von Schadstoff en aus diff usen Quellen

-       Gewährleistung, dass die hydromorphologischen Bedingungen der Wasserkörper dem vorgeschriebenen ökologischen oder guten ökologischen Potenzial zuträglich sind

-       Untersagung, vorbehaltlich bestimmter Bedingungen, der direkten Einleitung von Schadstoff en ins Grundwasser

Wenn die genannten Basismaßnahmen für die Zielerreichung nicht ausreichen, sind ergänzende Maßnahmen erforderlich, die

Folgendes umfassen könnten:

-       Verhaltensmaßregeln

-       Neuanlage und Sanierung von Feuchtgebieten

-       Bedarfssteuerungssysteme wie Kulturen mit geringem Bewässerungsbedarf in dürregefährdeten Gebieten

-       Förderung wassereffizienter Industrie- und Bewässerungstechniken

-       Entsalzungsanlagen

-       Wiederaufbauprojekte

-       künstliche Neubildung von Grundwasserleitern

-       Bildungs-, Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte

 

 

Umweltziele und

Ausnahmeregelungen

Die Mitgliedstaaten können für einzelne

Wasserkörper mit folgender Begründung

Ausnahmen von dem Ziel beantragen, bis 2015

für Oberflächengewässer einen guten ökologischen

und chemischen Zustand und für Grundwasser einen guten mengenmäßigen

und chemischen Zustand zu erreichen:

 

-       Verlängerung der Frist für die Zielerreichung bis 2021

oder bis spätestens 2027, mit zeitlich gestaffelter Umsetzung.

Als Gründe können technische Undurchführbarkeit,

unverhältnismäßig hohe Kosten oder das Vorliegen natürlicher

Gegebenheiten, die eine Zielerreichung bis 2015

unmöglich machen, geltend gemacht werden (Artikel 4

Absatz 4);

 

-       Festlegung weniger strenger Umweltziele, wenn Wasserkörper

durch menschliche Tätigkeiten so beeinträchtigt

oder ihre natürlichen Gegebenheiten so beschaff en sind,

dass das Erreichen dieser Ziele in der Praxis nicht möglich

oder unverhältnismäßig teuer wäre (Artikel 4 Absatz 5);

 

vorübergehende Verschlechterung des Zustands aufgrund

außergewöhnlicher und nicht vorhersehbarer

Umstände wie starke Überschwemmungen oder lang

anhaltende Dürren (Artikel 4 Absatz 6);

 

-       neue Änderung von Wasserkörpern, sofern ein übergeordnetes öffentliches Interesse oder ein Nutzen für die

Gesundheit des Menschen, die Erhaltung der Sicherheit

der Menschen oder die nachhaltige Entwicklung besteht,

die den Nutzen der Verwirklichung der Richtlinienziele

übertreffen. In diesem Fall muss zugunsten der Umweltoption

entschieden werden, die nicht unverhältnismäßig

kostspielig oder technisch undurchführbar ist (Artikel 4

Absatz 7). Die Wasserrahmenrichtlinie sieht also ein Verfahren

vor, das es gestattet, das richtige Gleichgewicht

zwischen den Bedürfnissen der Umwelt und der Gesellschaft

zu finden, indem beispielsweise für die Energieerzeugung

Wasserkraft genutzt wird und Infrastrukturen für

den Hochwasserschutz gebaut werden.

 

Alle relevanten Informationen zu den Ausnahmeanträgen müssen

in den Bewirtschaftungsplänen für die Einzugsgebiete enthalten

sein. Die Kommission wird die Stichhaltigkeit der von den

Mitgliedstaaten angeführten Gründe prüfen.

 

Eine Rahmenregelung aus maßgeblichen EU-Vorschriften

im Bereich des Wasserrechts

 

Ergänzung der

Rahmenregelung

Die Wasserrahmenrichtlinie wurde durch die

Vorschriften einiger späterer Rechtsakte die

sogenannten Tochterrichtlinien ergänzt, die weiterreichende

Bestimmungen für das Erreichen eines guten chemischen Gewässerzustands

enthalten:

-       Grundwasser-Richtlinie: Die WRR setzte klare Ziele für

die Grundwassermenge und hob die alte Grundwasser-

Richtlinie auf, ließ jedoch einige Fragen zum chemischen

Zustand offen. Die im Dezember 2008 verabschiedete

neue Richtlinie enthält die Kriterien für die Beurteilung

des guten chemischen Zustands von Grundwasser, regelt

die Ermittlung und Umkehr von Verschmutzungstrends

und verpflichtet zur Verhinderung oder Begrenzung von

Schadstoffeinträgen (Artikel 17).

 

-       Richtlinie über Umweltqualitätsnormen: Seit 2008

begrenzt diese Richtlinie die Konzentration von 33 prioritären

Stoff en und von acht weiteren Schadstoff en in

Oberflächengewässern. Diese Stoff e umfassen elf prioritäre

gefährliche Stoff e, die toxisch, persistent und in tierischen

und pflanzlichen Gewebenakkumulierbar sind und langfristige

Risiken darstellen. Einleitungen müssen innerhalb

von 20 Jahren schrittweise eingestellt werden. Die Liste

wird 2011 überprüft (Artikel 16).

 

Mit zwei Kommissionsentscheidungen aus den Jahren 2005 und

2008 wurden weitere Vorschriften für das Erreichen eines guten

ökologischen Zustands festgelegt, Schutzgebiete ausgewiesen

und die Ergebnisse der Interkalibrierung veröffentlicht.

 

Weitere Vorschriften zur integrierten

Bewirtschaftung der Einzugsgebiete

Die WRR bildet auch den Rahmen für die Einbeziehung weiterer

thematischer wasserrechtlicher Vorschriften in den Umsetzungsprozess;

die folgenden Richtlinien enthalten die sogenannten

grundlegenden Maßnahmen :

 

-       Die Richtlinie über die Behandlung kommunaler

Abwässer (1991) betrifft EU-weit 22 000 Stadtgebiete.

Sie regelt die Sammlung, Behandlung und Ableitung

von Abwässern aus Privathaushalten und bestimmten

Industriesektoren.

-       Die Nitrat-Richtlinie (1991) soll verhindern, dass Nitrate

aus landwirtschaftlichen Quellen das Grundwasser und

Oberflächengewässer kontaminieren, und enthält Verhaltensmaßregeln

für Landwirte. Ihre Vorschriften zeigen mittlerweile Wirkung: Zwischen 2000 und 2003 sind die

Nitratkonzentrationen an 86 % der überwachten Standorte

stabil geblieben bzw. zurückgegangen. Dennoch ist die

Landwirtschaft nach wie vor einer der Hauptverursacher

wasserbezogener Probleme, und Landwirte müssen auf

nachhaltigere Bewirtschaftungspraktiken umstellen.

 

-       Die neue Badegewässer-Richtlinie (2006) soll die öffentliche

Gesundheit schützen und Küsten- und Binnengewässer

schwimmsicher machen. Die Mitgliedstaaten müssen

Bewirtschaftungspläne für Badegewässer erstellen und die

Öffentlichkeit informieren.

 

-       Die Trinkwasser-Richtlinie (1998) enthält Normen für

sauberes Leitungswasser und regelt dessen Verwendung

in der Lebensmittelindustrie. Die Mitgliedstaaten müssen

alle drei Jahre über die Wasserqualität Bericht erstatten.

Die WRR ergänzt diese Richtlinie insoweit, als sie den Wasserschutz

an der Quelle gewährleistet.

 

Das Programm umfasst auch relevante Wasserschutzmaßnahmen,

beispielsweise im Rahmen der Vogelschutz-Richtlinie, der

Richtlinie zur Abwehr schwerer Unfälle (Seveso), der Richtlinie

über die Umweltverträglichkeitsprüfung, der Klärschlamm-Richtlinie,

der Pflanzenschutz-Richtlinie, der Habitat-Richtlinie und der

Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Verminderung

der Umweltverschmutzung.

 

So müssen Schutzgebiete (Gebiete für die Trinkwassergewinnung,

Gebiete mit Badegewässern und Schutzgebiete im Rahmen

der Habitat-Richtlinie) besonders überwacht werden, und

die Erfüllung der Kriterien dieser Richtlinien steht im Mittelpunkt

der Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie (Artikel 4 Absatz 3,

Artikel 6 und Artikel 7).

 

Ein sogenannter kombinierter Ansatz verknüpft die Vorschriften

zur Regelung der Umweltverschmutzung mit dem ökologischen

Zustand aller Wasserquellen (Artikel 10).

Einige neuere Vorschriften verweisen ebenfalls ausdrücklich

auf die Wasserrahmenrichtlinie und ihre Bestimmungen, so die

Richtlinie über die strategische Umweltverträglichkeitsprüfung

(Erwägungsgründe, 2001/42/EG), die Umwelthaftungsrichtlinie

(2004/35/EG) und die Bergbauabfall-Richtlinie (2006/21/EG).

Die Wasserrahmenrichtlinie muss mit der Umsetzung der

Hochwasser-Richtlinie (2007/60/EG) und der Meeresstrategie-

Rahmenrichtlinie (2008/56/EG) koordiniert werden.

 

 

Förderung

der Umsetzung

Um die Herausforderungen der WRR und der Hochwasser-Richtlinie auf

koordinierte Weise zu meistern, haben

die Mitgliedstaaten, Norwegen und die

Europäische Kommission eine gemeinsame

Umsetzungsstrategie (GUS) vereinbart und

eine Reihe von Sachverständigen-Arbeitsgruppen

zu wichtigen Themen wie Belastungsanalyse

und Zustand der Oberflächengewässer, Berichterstattung, chemische

Schadstoff e und Hochwasser eingesetzt mit dem Ziel, einen

gemeinsamen Standpunkt zu den verschiedenen Umsetzungsaspekten

zu erarbeiten und ein Forum für den Erfahrungs- und

Informationsaustausch in der EU zu schaff en. Es wurden bereits

über 24 Leitfäden und mehrere technische Berichte erstellt, die

zum Austausch bewährter Verfahren beitragen.

Unterstützend zur GUS hat die Kommission den Bereich WRR auf

die Online-Plattform für den Informationsaustausch CIRCA (Communication

Information Resource Centre Administrator) gestellt.

 

Wasserinformationen

Weitere Informationen über die

Wasserrahmenrichtlinie und

andere Wasservorschriften und

-maßnahmen der EU können über die Webseiten der GD Umwelt

abgerufen werden:

 

http://water.europa.eu/policy

Das Wasserinformationssystem für Europa (WISE) ist ein Informationsportal

für europäische Gewässerfragen. Das System beinhaltet

Daten und Informationen, die von diversen Institutionen und

Gremien auf EU-Ebene zusammengetragen werden, einschließlich

Ergebnisse aus der Überwachung der Umweltqualität zum

Zwecke der Planung der Bewirtschaftung von Einzugsgebieten.

Diese Online-Kartierung europäischer Gewässer zeigt, wie die

Mitgliedstaaten die verschiedenen Wasser-Richtlinien auf der

Ebene der Wasserkörper umsetzen.

WISE wurde im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Europäischen

Kommission (GD Umwelt, Gemeinsame Forschungsstelle

und Eurostat) und der Europäischen Umweltagentur entwickelt:

http://water.europa.eu und insbesondere: http://www.eea.europa.eu/themes/water/interactive/advanced-wise-viewer

Das WISE-RTD-Webportal gewährt auch Zugang zu einer Vielfalt

von Forschungsergebnissen aus nationalen, europäischen und

internationalen Projekten: http://www.wise-rtd.info/wpis/wise.html

 

Die zweiten Bewirtschaftungspläne

für die Einzugsgebiete stehen an

Der Konsultationsprozess für den zweiten Zyklus der Richtlinienumsetzung wird 2012

anlaufen bzw. die Konsultationen zu den Entwürfen der Bewirtschaftungspläne dürften

spätestens Ende 2014 beginnen. Die Konsultationen zu den Hochwasserrisikoplänen müssen

ebenfalls mit diesem Prozess koordiniert werden.

Es ist an der Zeit, wieder IN DIE DEBATTE EINZUTAUCHEN PLUNGE INTO THE DEBATE!

 

Mehr zum Thema

Plunge into the debate: Mehr zu den Konsultationen und

Wegweiser zu den Sie betreff enden Bewirtschaftungsplänen

für Einzugsgebiete:

 

http://water.europa.eu/participate

 

Wasser-Informationsvermerke: zwei- bis vierseitige

Informationsblätter in allen EU-Sprachen zu Fragen

im Zusammenhang mit der WRR:

 

http://ec.europa.eu/environment/water/participation/notes_en.htm

 

WRR-Umsetzungsberichte 2007 und 2009:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-framework/implrep2007/index_en.htm  

 

Karten und Grafi ken:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-framework/facts_fi gures/index_en.htm

 

Gemeinsame Umsetzungsstrategie:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-framework/objectives/implementation_en.htm

 

CIRCA:

http://circa.europa.eu/Public/irc/env/wfd/library?l=/&v m=detailed&sb=Title

 

Grundwasser:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-framework/groundwater.html

 

Prioritäre Stoff e:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-dangersub/pri_substances.htm#dir_prior

 

Hochwasser-Richtlinie:

http://ec.europa.eu/environment/water/fl ood_risk/index.htm

 

Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie:

http://ec.europa.eu/environment/water/marine/index_en.htm

 

Richtlinie über kommunale Abwässer:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-urbanwaste/index_en.html

 

Badegewässer-Richtlinie:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-bathing/index_en.html

 

Trinkwasser-Richtlinie:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-drink/index_en.html

 

Nitrat-Richtlinie:

http://ec.europa.eu/environment/water/water-nitrates/index_en.html

 

Wasserknappheit und Dürren:

http://ec.europa.eu/environment/water/quantity/scarcity_en.htm

 

Wasser und Klimaanpassung:

http://ec.europa.eu/environment/water/adaptation/index_en.htm

 

Europäische Umweltagentur Wasser:

www.eea.europa.eu/themes/water

 

Europäische Kommission

Lebenselixier Wasser:

Wie die Wasserrahmenrichtlinie dazu beiträgt, die Wasserressourcen Europas zu schützen

Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union

2011 25 S. 21 x 21 cm

ISBN 978-92-79-19214-2

doi:10.2779/26352

 

Weitere kostenlose Exemplare dieser Veröffentlichung können

unter folgender Adresse bezogen werden:

Europäische Kommission

Generaldirektion Umwelt

Informationszentrum (BU-9 0/11)

1049 Brüssel

 

http://ec.europa.eu/environment/water/pdf/wfd_brochure_de.pdf