Vier Mythen über unseren Wasserverbrauch

Wasser ist genügend da - ist sparen nicht unsinig?

Tag des Wassers

Das in Deutschland verfügbare Trinkwasser reicht bei weitem aus, den Bedarf der Deutschen zu decken. Das stimmt. Dennoch ist es schon rein aus ökologischer Sicht sinnvoll Wasser zu sparen.

Richtig ist: Wasser gibt es bei uns genügend. Wir nutzen nur ein Viertel der Menge, die uns in Deutschland theoretisch zur Verfügung steht. Jedoch steckt hinter unserem Trinkwasser nicht nur das reine Wasser, denn ökologisch betrachtet ist unser Wasserverbauch eng mit einem hohen Energieeinsatz verknüpft.
Vor allem warmes Wasser benötigt viel Energie

Das Wasser muss ja irgendwie an den Verbraucher gelangen, zu diesem Zwecke wird gepumpt, gereinigt und gefiltert. Das erfordert Energie, vor allem, wenn das Wasser schön warm sein soll. Um ordentlich duschen zu können braucht man für 1.000 Liter 30 Kilowattstunden Energie. Das ist nicht wenig. Dementsprechend ist es unverantwortlich, wenn einige Wasserwerke behaupten: "Nehmen Sie ruhig viel Wasser, denn es ist ja genügend da." Denn es müsste stattdessen heißen: "Duschen Sie ruhig lang, aber duschen Sie kalt."

 

Wassersparen ist schlecht für die Abwasserkanäle?!

Es wird behauptet, Wasser sparen würde dazu führen, dass große Teile der Kanalisation nicht ausreichend durchspült werden. Das hätte zur Folge, dass der Schlamm in den Rohren fault und mit viel Wassereinsatz nachgespült werden muss.

Ist Wasser sparen dann nicht sinnlos?

Sind Abwasserkanäle Opfer des Wassersparens?

Wenn es möglich wäre, die Abwasserkanäle durch längeres Spülen auf der Toilette zu reinigen, dann spräche wenig dagegen, das auch so zu machen. Aber so funktioniert es nicht. Was die Kanalanlagen wirklich sauber macht, ist vielmehr ein ordentlicher Regenguss – oder, besser noch, ein richtig heftiges Gewitter. Denn wenn diese Wassermassen auf besiedeltes Gebiet herunterkommen, also auf Dächer, Straßen oder Parkplätze, dann wird das Wasser überwiegend in die Kanalisation abgeleitet. Pro Kopf kommt da einiges zusammen: In dicht besiedelten Innenstädten kommen auf einen Menschen etwa 100 m² versiegelte Fläche. Auf dem Land kann das noch deutlich mehr sein. Bei einem mittelstarken Schauer sind das in der Stadt dann pro Stunde 500 Liter pro Kopf, bei einem Gewitter sind es gar 3.000 Liter pro Kopf.
Größerer Wasserverbrauch ist keine Lösung

Um den selben Spüleffekt wie bei einem Gewitter durch einen höheren Wasserverbrauch in den Haushalten zu erzielen, müssten alle Menschen in einer Gemeinde gleichzeitig den Stöpsel aus der vollen Badewanne ziehen. Die Probleme mit verschlammten Kanälen haben überwiegend andere Ursachen als das Wasser sparen, beispielsweise zu groß dimensionierte Kanäle oder aber sehr trockene Sommer. Und dann muss man eben spülen. Dafür gibt es aber auch moderne Techniken wie Recyclingfahrzeuge, die gar nicht so viel Wasser benötigen wie gerne behauptet wird.

Anderenkann man durch Wasser sparen nicht helfen?!

Wenn in Deutschland Wasser gespart wird, dann hat ein Mensch in der Sahara davon sehr wenig. Das heißt jedoch nicht, dass der Konsum in Deutschland die Wasserversorgung in anderen Ländern nicht beeinflusst.

Es stimmt: Wenn wir Wasser sparen, dann nützt das irgendwo in der Wüste keinem. Da haben wir mit anderen Produkten viel mehr Einfluss auf die Wasserwirtschaft in anderen Staaten als mit Wasser selbst. Wenn wir zum Beispiel Kaffee trinken, dann sind nur 0,2 Liter in der Tasse drin, aber 200 Liter Wasser hat der Anbau dieses Kaffees irgendwo im Süden verschlungen. Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch sind 15 Kubikmeter Wasser nötig. Darüber kann man sich Gedanken machen. Eine einfache Lösung bietet sich jedoch nicht an. Denn würden wir einfach auf den Konsum verzichten, verdienten die Menschen vor Ort kein Geld mehr und das ist auch keine Lösung.

Wasser aus der Flasche ist gesünder?!

Mineralwasser enthält kaum mehr Mineralstoffe als Wasser aus dem Hahn, zudem bezieht der Körper die Mineralien überwiegend aus der Nahrung. Weichmacher in Plastikflaschen stellen für die Gesundheit keine Gefahr dar.

Ein Liter Hahnenwasser kostet den Deutschen rund 0,2 Cent. Für eine Flasche Mineralwasser zahlt man im Supermarkt schnell mal das 200-fache. Dennoch trinken viele Deutsche lieber industriell abgefülltes Wasser und geben sich obendrein die Mühe, die schweren Flaschen nach dem Einkauf nach Hause zu schleppen. Ein weit verbreitetes Argument für den Konsum von Mineralwasser gegenüber Leitungswasser ist der hohe Mineralgehalt. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass die meisten Mineralwasser nur wenige Mineralstoffe enthalten, teilweise sogar weniger als Leitungswasser. Zudem decken wir den Bedarf an Mineralstoffen primär über die Nahrung und nicht über das Wasser: Calcium erhalten wir über Milchprodukte und Gemüse, Magnesium über Vollkornprodukte und Obst wie Bananen. Auch der Natriumbedarf wird anderweitig, beispielsweise über Salz und andere Gewürze, ausreichend gedeckt.
Trinkwasser ist bundesweit von hoher Qualität

In einigen Ländern ist es tatsächlich ratsam, kein Wasser aus der Leitung zu trinken, weil es bakteriell belastet ist. Selbst wenn sich der Körper an die Keime gewöhnt, könnten noch immer Schwermetalle und andere Schadstoffe aus industriellen Abwässern der Gesundheit schaden. Doch in Deutschland ist das Trinkwasser bundesweit von sehr hoher Qualität. Kein anderes Lebensmittel wird hierzulande dermaßen streng kontrolliert.
Gesundheitsgefahr bei Plastikflaschen?

Bei Wasser aus Plastikflaschen passierte es in der Vergangenheit regelmäßig, dass der Weichmacher Acetaldehyd aus dem Kunststoff ins Wasser überging. Gesundheitlich ist das unbedenklich, kann sich aber durch einen leicht fruchtigen Geschmack bemerkbar machen. Inzwischen verwenden die Hersteller häufig so genannte Acetaldehyd-Blocker, um den Stoff zu binden.

Quelle: SWR zum Tag des Wassers